Was bedeuten für mich der Kreuzestod Jesu, seine Hingabe an uns und der neue Bund in seinem Blut? Was kann ich mit diesen Narrativen in meinem Leben heute anfangen?
Mit der Referentin Anneliese Hecht, die bis 2019 im Bibelwerk als wissenschaftliche Referentin tätig war und Autorin und Herausgeberin zahlreicher Schriften und Bücher ist, erlebte die Diözesangemeinschaft Rottenburg-Stuttgart auf ihrem Diözesantreffen vom 06.-08.03.2026 im Kloster Untermarchtal ein intensives Wochenende.
Am Freitagabend hat Anneliese Hecht uns mit verschiedenen Aussagen über den Tod Jesu mit dem Thema in Berührung kommen lassen. Jeweils vier Personen kamen zusammen, um Thesen zu bejahen oder zu verneinen und dies zu begründen. Etwa zur These „Jesus musste sterben, um uns zu erlösen“ konnte jede Person mit „Ja, weil…“ oder „Ja, aber…“ oder „Nein, weil…“ oder „Nein, aber…“ Position beziehen. Dies half, verschiedene Sichtweisen kennenzulernen und sich selbst und dem Thema näher zu kommen.
Im Weiteren konnten wir vertiefen, was Jesus selbst zu seinem erwarteten Tod sagt und wie er ihn deutet, wie die JüngerInnen und frühen Christen lernten, das Kreuz als Teil des Heilsweges Gottes zu verstehen und was die Passionserzählungen in den Evangelien sagen.
Das Kreuz als Teil von Gottes Heilsweg ist nur für an Jesus Christus Glaubende erschließbar. Am Samstag nahm das Passionsgeschehen anhand des Markusevangeliums viel Raum ein. In der Passionserzählung bilden sich drei Gruppen der Beteiligten heraus. Diejenigen, die das Urteil vollstrecken und nur ihre Aufgabe erfüllen. Diejenigen, die Jesus verspotten, missverstehen, provozieren, lästern und die Köpfe schütteln. Zu ihnen zählen die Vorübergehenden, die Dabeistehenden und die Hohenpriester. Und dann noch die in der Nachfolge Jesu, die mit ihm leiden, hilflos sind und es aus der Ferne betrachten. Wo würde ich in diesem Geschehen stehen? Bei denen, die alles geschehen lassen, wie es geschehen muss? Bei denen, die Distanz halten und es nicht an sich heranlassen? Bei denen, die leiden und bekennen: dieser war Gottes Sohn?
Im Markusevangelium sind die letzten Worte Jesu am Kreuz der Beginn des Psalm 22. Nicht mit eigenen Worten, sondern mit einem Psalm wendet sich Jesus an seinen Vater. Der Psalm 22 führt den Betenden aus dem Elend heraus in Gottes Rettung hinein. Aber nicht aus eigener Kraft, sondern durch Gottes liebende Zuwendung kommt die Rettung. In der Passionserzählung wird Gott sichtbar, wenn der Vorhang im Tempel zerreißt und damit das Heiligste im Tempel entbirgt.
Die Urkirche, die Evangelisten und christlichen Theologen suchten einen Sinn im Leiden und Sterben Jesu. Es ist ein sehr menschliches Verlangen, das Geschehene verstehen und deuten zu wollen. Die Bibel bietet uns verschiedene Deutungsmöglichkeiten. Die Deutung als Sühnetod für die Menschen knüpft an den Opferkult an. Anstatt von Tieren als Opfergaben hat der Opfertod Jesu die Menschen mit Gott endgültig versöhnt. Schließlich ist das ganze Heilswerk Gottes nur aus dem Zusammenhang von Tod und Auferstehung zu sehen und nur aus dem Glauben an Christus heraus zu verstehen.
Wie die Jüngerinnen und Jünger mit dem Scherbenhaufen des Todes Jesu und der Verwunderung zu seiner Auferstehung umgegangen sind, haben wir uns mit der Emmaus-Geschichte genähert. Sie erkennen ihn nicht, bis er ihnen die Schrift auslegt und das Brot mit ihnen bricht und teilt.
Angestrengt und gestärkt sind wir am Sonntagmittag wieder in den Alltag zurückgekehrt, gut vorbereitet, die Kar- und Ostertage zu erleben. Dorothea Habermehl-Kerschner und Ralf Kerschner